Wichtige Pflegeinformationen
Pflegegrade

Pflegegrade

In Deutschland, aber auch weltweit, gibt es zunehmend ältere Menschen, die meist auf externe Hilfe angewiesen sind – unabhängig davon, ob die Person alleine wohnt oder im Familienverbund, körperlich, geistig oder psychisch beeinträchtigt ist. Doch nicht nur Senioren können Pflegeleistungen erhalten, bereits im Kleinkindalter kann Pflege notwendig sein – sei es durch eine einschränkende Krankheit, eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung. Personen jedes Lebensalters können durch einen Unfall oder ähnliches zum Pflegefall werden. In all diesen Fällen greift das Pflegesystem mit seinen Pflegegraden.

Einstufung in die Pflegegrade Pflegegrade im Überblick Pflegebegutachtung

Pflegegrade bei Krankheit Was ist ein Pflegegrad? Geld- & Sachleistungen

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Einstufung in die Pflegegrade

Eine genaue Begutachtung legt die Schwere der Einschränkung und den Grad der Pflegebedürftigkeit fest. Der Grad 1 steht dabei für den Pflegegrad mit der geringsten Pflegebedürftigkeit. Pflegegrad 5 bekommen Personen genehmigt, die sehr stark eingeschränkt sind und einer besonderen pflegerischen Versorgung bedürfen. Je schwerer also die Einschränkungen im Alltag wiegen und je geringer die Selbstständigkeit ist, desto höher fällt der Pflegegrad aus. In diesem Zusammenhang erhöhen sich auch die mit dem entsprechenden Grad verbundenen Pflegeleistungen. Das bedeutet: Dem Pflegebedürftigen steht bei einem höheren Pflegegrad mehr Geld pro Monat zu.

Das sind die Pflegegrade

  • Pflegegrad 1

    Die Betroffenen mit diesem Pflegegrad sind noch weitgehend selbstständig und benötigen nur geringe Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben. Pflegegeld gibt es daher nicht, lediglich monatliche Entlastungsleistungen sowie Zuschüsse für Pflegehilfsmittel. Auch eine altersgerechte Umgestaltung des Wohnraums wird einmalig bezuschusst. Betroffene sind beispielsweise beginnend dement, leiden unter Gelenkerkrankungen oder leichten Lähmungserscheinungen nach einem Schlaganfall.

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  • Pflegegrad 2

    Pflegegrad 2 ist der erste vollwertige Pflegegrad, bei dem der Pflegebedürftige monatlich Pflegegeld erhält und alle Leistungen der Pflegeversicherung beanspruchen kann – von einer täglichen Grundpflege über Pflegesachleistungen bis hin zu Zuschüssen für eine Vollzeitpflege im Heim.

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  • Pflegegrad 3

    Die Einstufung in den Pflegegrad 3 bedeutet, dass der Betroffene körperlich sowie geistig stark beeinträchtigt ist. Dazu zählen schwere motorische Einschränkungen, Teil-Lähmungen, Rückenmarkserkrankungen, Multiple Sklerose, Demenz und ähnliche Beschwerden. Die Leistungen der Pflegeversicherung können in höherem Maße als bei Pflegegrad 2 beansprucht werden.

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  • Pflegegrad 4

    Pflegegrad 4 wird definiert als schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Die Personen benötigen rund um die Uhr Unterstützung und Pflege. Darunter fallen fortgeschrittene Demenz, Alzheimer und höchste körperliche Beschwerden.

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  • Pflegegrad 5

    Unter diesen Pflegegrad fallen alle Betroffenen, die auf höchsten pflegerischen Aufwand angewiesen sind und spezielle Anforderungen an die pflegende Person stellen. Das kann beispielsweise bedeuten, dass die Pflegefachkraft den Betroffenen füttern muss oder dass er umfangreicher psychosozialer Unterstützung bedarf. In der Regel sind Pflegegrad-5-Betroffene bettlägerig.

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Pflegebegutachtung

Für das Gutachten werden speziell geschulte Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung bei gesetzlich Versicherten hinzugezogen. Bei privat Versicherten übernimmt dies die MEDICPROOF GmbH. Der Gutachter prüft dabei mehrere Punkte, die Aufschluss über den Grad der Beeinträchtigung bei der Bewältigung des Alltags geben.

Auch die Kriterien außerhäusliche Aktivitäten und Haushaltsführung spielen beim Gutachten eine Rolle. Sie dienen als Anhaltspunkt für Pflegekräfte, um einen individuelleren Pflegeplan aufstellen zu können.

Folgenden Bereiche werden bei der Einstufung abgefragt:

  • Mobilität (Beweglichkeit)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Verstehen und Artikulieren)
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung (z.B. Essen, Einkaufen)
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
  • Bewältigung von uns selbstständiger Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen oder Belastungen

Pflegegrade bei Krankheiten

Oft wird fälschlicherweise angenommen, Pflegegrade und die damit verbundenen Leistungen gelten nur für ältere Menschen. Es gibt eine lange Liste an körperlichen und psychischen Krankheiten, die jeden Menschen unabhängig vom Alter zu einem Pflegefall machen können. Diese Liste ist keinesfalls als vollständig anzusehen. Sie gibt allerdings einen Einblick in die Bandbreite an Einschränkungen, die zu einem Pflegefall führen können. Neben den alterstypischen Erkrankungen wie Demenz oder auch Alzheimer zählen dazu:

  • Krebserkrankungen
  • schwere Diabetes
  • Dialyse
  • Parkinson
  • ALS
  • Multiple Sklerose
  • Epilepsie
  • chronische Lungenerkrankungen wie COPD
  • Depressionen
  • geistige Behinderungen
  • Einschränkungen durch Unfälle, Amputation, Oberschenkelhalsbruch oder nach einem Schlaganfall

Was ist ein Pflegegrad?

Im deutschen Sozialsystem ist geregelt, dass jegliche pflegebedürftige Person Anspruch auf monatliches Pflegegeld beziehungsweise einen Zuschuss zur Pflege hat. Die Bedürftigkeit gliedert sich in fünf unterschiedliche Pflegegrade. Das vorherige System der Pflegestufen 0 bis 3 wurde zum 01.01.2017 von dem neuen Pflegegradsystem abgelöst. Seitdem dienen Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit von Betroffenen. Diese Änderungen sollen im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) vor allem demenzkranken Älteren die gleichen Pflegeleistungen zusichern wie körperlich Pflegebedürftigen.

In die verschiedenen Pflegegrade werden Personen eingestuft, die körperlich und/oder geistig beeinträchtigt sind und dadurch im Alltag nicht mehr alleine zurechtkommen. Darunter fallen Menschen mit einer Demenzerkrankung, längerfristig psychisch Erkrankte, aber auch geistig Behinderte. Personen, die in ihrer Mobilität derart eingeschränkt sind, dass sie Alltagsaufgaben nicht mehr meistern können, erhalten ebenfalls einen Pflegegrad.

Kurz: Ein Pflegegrad drückt das Maß an Pflegebedürftigkeit eines Versicherten aus.

Pflegegrade: Geld- und Sachleistungen

Pflegegrad/Monat
ambulant
Sachleistung/Monat
ambulant
Pflegegeld/Monat
ambulant
Entlastungsbetrag
Nur Kostenerstattung/Monat
ambulant
Leistungsbetrag/Monat
vollstationär
Pflegegrad 1 125 € 125 €
Pflegegrad 2 689 € 316 € 125 € 770 €
Pflegegrad 3 1.298 € 545 € 125 € 1.262 €
Pflegegrad 4 1.621 € 728 € 125 € 1.775 €
Pflegegrad 5 1.995 € 901 € 125 € 2.005 €

Zu den genannten monatlichen Zuwendungen kommen noch weitere Leistungen, die von der Pflegekasse übernommen werden. Bereits ab der Pflegestufe 1 haben Leistungsnehmer den Anspruch auf bis zu 40 Euro für Pflegehilfsmittel. Liegt der Pflegegrad 2 oder ein höherer vor, zahlt die Kasse einmal pro Jahr bis zu 1.612 Euro, falls die Pflegeperson verhindert ist und eine Ersatzpflege benötigt wird. Diese Ersatzpflege darf für maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr in Anspruch genommen werden.

Auch für die Kurzzeitpflege gibt es besondere Zuwendungen. Viele Pflegebedürftige benötigen lediglich für eine kurze Zeit von maximal acht Kalenderwochen pro Jahr vollstationäre Pflege. Dies kann nach einer Operation, im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt oder zur Bewältigung einer temporären Krisensituation bei der häuslichen Pflege der Fall sein.

Gut zu wissen: Der Unterschied zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistung liegt in der Person, der den Leistungsempfänger unterstützt. Wer durch Angehörige zu Hause gepflegt wird, erhält Pflegegeld. Professionelle Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst wird mit der monatlichen Sachleistung bezuschusst.

Fragen & Antworten zu den Pflegegraden

Wie wird ein Pflegegrad beantragt und festgestellt?

Kontaktieren Sie als betroffene Person oder als gesetzlicher Vertretungsberechtigter zunächst die entsprechende Pflegeversicherung und bitten Sie sie um Zusendung des Antragsformulars. Haben Sie es ausgefüllt, senden Sie das Formular zurück an die Pflegekasse. Die Kasse bezieht einen Vertreter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) mit ein, bei Privatversicherten entsprechend einen anderen Gutachterdienst wie MEDICPROOF. Ein Gutachter, der von der Kasse geschickt wird, bewertet die Situation bei Ihnen vor Ort.

Wie wird die Pflegebedürftigkeit bei Kindern festgelegt?

Auch Kinder haben ein Anrecht auf Unterstützung durch die Pflegekasse. Bei körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen kann bereits ab der Geburt tägliche Pflege notwendig sein. Da Säuglinge, egal ob gesund oder beeinträchtigt, rund um die Uhr von den Eltern betreut werden müssen, ist die Pflegebedürftigkeit bei dieser Altersgruppe schwierig festzustellen. Es muss nachgewiesen werden, dass der Pflegeaufwand des Babys den für einen gesunden Säugling normalen Aufwand deutlich übersteigt. Häufig merken die Eltern selbst nicht, ob die Pflege aufwändiger ist als bei einem körperlich und geistig gesunden Kind – insbesondere beim ersten Kind, da die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Der Austausch mit anderen Eltern hilft dabei. Auch der Kinderarzt kann bei den U-Terminen grob einschätzen, ob Ihr Baby ungewöhnlich viel Pflege benötigt.

Besteht Handlungsbedarf, stellen die Erziehungs- und Vertretungsberechtigten bei der Krankenkasse des Kindes einen Antrag auf Feststellung des Pflegegrades. Die an die Kasse angegliederte Pflegekasse überprüft den Antrag. Etwa zwei Wochen nach Antragstellung kommt ein Gutachter persönlich vorbei, um sich ein genaues Bild der Situation zu machen.

Tipp: Spätestens ab der Antragsstellung ist es ratsam, ein detailliertes Pflegetagebuch zu führen. Dieses legen die Antragsteller dann dem Gutachter vor. Je ausführlicher jeder Tag und jede alltägliche Verrichtung dokumentiert wird, desto deutlich wird, wie viel Pflege Ihr Baby oder Kind benötigt. Insbesondere bei Säuglingen unter zwei Jahren prüfen Gutachter und Pflegekasse sehr kritisch. Insgesamt liegt die Ablehnungsquote der Pflegeanträge für Kinder bei etwa 75 Prozent. Sammeln Sie aus diesem Grund alle Daten und Dokumente, die Ihr Kind betreffen: Arztbriefe, Diagnoseberichte etc. Auch ein unabhängiger Pflegesachverständiger hilft, die Chance auf Erfolg zu steigern.

Wie lege ich Widerspruch gegen den Pflegegradbescheid ein?

Etwa jeden dritte Antrag auf einen Pflegegrad lehnt die Kasse ab oder gesteht dem Betroffenen einen zu niedrigen Grad zu. In solchen Fällen sollten Sie innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Ablehnungsbescheides handeln. Legen Sie einen schriftlichen Einspruch ein – am besten per Einschreiben mit Rückschein.

Prüfen Sie das der Ablehnung beiliegende Gutachten und alle darin aufgelisteten Punkte. Überlegen Sie, ob am Tag der Begutachtung der Pflegebedürftige ungewöhnlich fit war und dieser Tag nicht dem durchschnittlichen Pflegealltag entsprach. Das könnte zur Ablehnung geführt haben. Wurden weiterhin alle Sachverhalte korrekt erfasst oder fehlen einige Punkte? All Ihre Überlegungen dokumentieren Sie am besten schriftlich. So vergessen Sie nichts, wenn Sie in den Widerspruch gehen.

Lassen Sie sich am besten auch von Pflegeberatern unterstützen, damit Ihr Widerspruch möglichst erfolgreich für Sie verläuft. Ein Widerspruch muss gründlich vorbereitet sein. Pflegeberater sind genau darauf spezialisiert. Sie kennen die Vorgänge genau und wissen, in welchen Punkten die Pflegekasse ein Gutachten zu Ungunsten des Antragstellers auslegen kann. Fügen Sie dem Widerspruch Arztbriefe, Atteste, Entlassungsberichte und alles bei, was für die Pflegebedürftigkeit der betroffenen Person spricht. Für ein zweites Gutachten können all diese Dokumente zum Erfolg verhelfen. Ein tagtägliches Pflegetagebuch kann häufig ebenfalls den Unterschied machen, der zum angestrebten Pflegegrad führt.

Wichtig: Innerhalb der Vier-Wochen-Frist reicht eine schriftliche Mitteilung an die Pflegeversicherung, dass Sie gegen den Ablehnungsbescheid Widerspruch einlegen. Hier müssen Sie noch keine Gründe angeben. Anschließend haben Sie genügend Zeit, den Widerspruch gut vorzubereiten.

Hinweis
Die von uns verwendete Bezeichnung „24 Stunden Pflege und Betreuung“ bedeutet nicht, dass unsere Pflegekräfte 24 Stunden am Stück arbeiten. Es existieren Arbeitszeitregelungen, die einzuhalten sind. Der täglich zur Verfügung stehende Stundenumfang beinhaltet eine aktive Zeit, eine Bereitschaftszeit und eine Rufbereitschaftszeit.
Während der Rufbereitschaftszeit besteht für die Pflegekraft keinerlei Verpflichtung sich im Haus aufzuhalten.
Die Begriffe „24 Stunden Pflege“ und „24 Stunden Betreuung“ werden umgangssprachlich und branchenüblich genutzt.