Vier zentrale Botschaften für Menschen mit beginnender Demenz

Angehörige merken es als erste, wenn bei einem Familienmitglied eine demenzielle Veränderung eintritt. Für Betroffene in dieser Frühphase gibt es zu Zeit noch sehr wenige Beratungs oder Hilfsangebote. Doch es gibt erste Ansätze. Im Interview spricht Sylvia Kern, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg über Angebote für Frühbetroffene. Die Fragen stellte Harald Spies

Frau Kern, was ist der neue Ansatz im Umgang mit Demenzkranken, der in Ihrer neuen Broschüre zu erkennen ist?
Uns ist es ein Anliegen, Menschen mit beginnender Demenz mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit zu bringen. Man muss ihre Autonomie, Lebensqualität und Würde stärken. Sie brauchen Wertschätzung und ihren Platz in der Gesellschaft.
Im Vorfeld der Erstellung unseres neuen Faltblattes haben wir ganz intensiv mit Betroffenen zusammengearbeitet. Wir besprachen mit ihnen die Inhalte um zu sehen, ob sie sich hier auch wiederfinden. Das neue Leporello – ein Faltblatt in Ziehharmonikaform – ist also keine reine Erfindung von Fachleuten, sondern von Betroffenen mitentwickelt. So entstanden die vier zentralen Botschaften des Ansatzes: 1. „Ich bin immer noch ich“, 2. „Ich gehöre dazu“, 3. „Vieles macht mir Freude“ und 4. „Ich brauche Wegbegleiter“.
Es gibt viel mehr Betroffene im Frühstadium als hochgradig demente Menschen im Spätstadium. Natürlich ist es wichtig, Betroffenen in allen Stadien zu helfen und sie zu unterstützen – dafür ist die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg da.

Gibt es auch spezielle Angebote für Menschen im frühen Stadium der Demenz?
Solche Angebote sind im Entstehen. Es gibt inzwischen vereinzelte Gruppenangebote. Dabei gibt es keine Gruppenleitung, sondern eine Begleitung und Moderation. Die Gruppenteilnehmer bestimmen Themen und Inhalte selbst.
Inzwischen haben wir auch Informationen für Menschen mit Demenz auf unserer Homepage. Es gibt eine zunehmende Gruppe von Menschen, die wissen, dass sie sich im Frühstadium einer Demenz befinden. Sie informieren sich über das Internet. Wir wollen weg von dem Bild, dass man nur die Angehörigen, Ehrenamtlichen und Profis informieren muss. Der Ansatz ist inzwischen: Die Früh-Betroffenen sind mündige Menschen, die ein Recht darauf haben, so weit und so lange wie möglich selbst zu planen und sich selbst zu informieren.
Wir sind dabei, Materialien unter der Überschrift „Ich lebe mit einer Demenz“ zu entwickeln. Darin wollen wir Teilbereiche aufgreifen, die für Menschen im Anfangsstadium einer Demenz ganz wichtig sind. Das sind Fragen wie: Kann ich noch Auto fahren? Wie kann ich vorsorgen?
Wir haben auch eine neue Broschüre zu rechtlichen Vorsorgeregelungen für die Betroffenen in leichter Sprache herausgegeben. Insgesamt haben wir hier noch ein „weites Feld“ vor uns. Wir befinden uns aber auf einem guten Weg!

Kontakt:
Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.
Friedrichstr. 10, 70174 Stuttgart
Tel. 07 11 / 24 84 96-60, Fax 24 84 96-66
E-Mail: info@alzheimer-bw.de
Internet: www.alzheimer-bw.de