Wichtige Pflegeinformationen

Pflegegrade

Pflegegrade

Zum 01.01.2017 wurden die bisher geltenden Pflegestufen „0“, 1, 2 und 3 von den fünf neuen Pflegegraden 1, 2, 3, 4 und 5 abgelöst.
Seitdem dienen Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit von Betroffenen. Diese Änderungen sollen im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) vor allem demenzkranken Älteren die gleichen Pflegeleistungen zusichern wie körperlich Pflegebedürftigen.

Pflegebedürftige und Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz wie Demenzkranke, längerfristig psychisch Erkrankte oder geistig Behinderte werden je nach ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit in die fünf Pflegegrade 1, 2, 3, 4 und 5 eingestuft und erhalten entsprechende Leistungen aus der Pflegeversicherung. Die drei Pflegestufen sowie die Anerkennung von eingeschränkter Alltagskompetenz z. B. von Demenzkranken („Pflegestufe 0“) wurden durch die Pflegegrade komplett ersetzt.

Überleitung von Pflegestufe zu Pflegegrad

BisherAb 2017
Pflegestufe 0, Pflegestufe 1Pflegegrad 1-2
Pflegestufe 1, mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz), Pflegestufe 2Pflegegrad 3
Pflegestufe 2, mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz), Pflegestufe 3Pflegegrad 4
Pflegestufe 3, mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz), HärtefallPflegegrad 5

Das sind die neuen Pflegegrade

Pflegegrad 1

Pflegegrad 1 ist die niedrigste Stufe der Pflegebedürftigkeit und kann von Menschen beantragt werden, bei denen bisher Pflegestufe 0 nicht genehmigt wurde. Nun erhalten Menschen mit leichter Form von psychischer Erkrankung, geistiger Behinderung oder Demenz schon Leistungen der Pflegeversicherung. Nur eine geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit muss für diesen Pflegegrad vorliegen. Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz haben weitaus mehr Menschen Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. 27 bis 60 Minuten täglicher Grundpflege werden mit Erhalt dieses Grads übernommen.

Pflegegrad 2

Pflegegrad 2 ist mit der Pflegestufe 0 und 1 zu vergleichen. Mit diesem Pflegegrad wird einem nun schon eine Pflege mit geringerem Zeitaufwand zugesprochen. Dieser Pflegegrad entspricht einer eingeschränkten Alltagskompetenz und erheblicher Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. 30 bis 127 Minuten Grundpflege werden hier eingeplant.

Pflegegrad 3

Der Pflegegrad 3 entspricht Pflegestufe 1, wenn eine eingeschränkte Alltagskompetenz, also meist Demenz vorliegt. Er entspricht Stufe 2 wenn keine eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt. Menschen, die bisher also Stufe 1 hatten, können höhere Leistungen beanspruchen. Diesen Pflegegrad erhalten alle, die eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit besitzen. Ihr Anspruch liegt bei 131 bis 278 Minuten Grundpflege am Tag.

Pflegegrad 4

Leistungen des Pflegegrads 4 beziehen von nun an alle Menschen, die den Pflegestufen 2 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz) und 3 zugeordnet waren. Hier sind schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit Faktor für die Zuordnung sowie die Notwendigkeit von bis zu 300 Minuten Grundpflege.

Pflegegrad 5

Der höchste Grad ist Pflegegrad 5. Menschen, die zuvor Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatten, beziehen nun Leistungen des höchsten Pflegegrads. Für diesen liegt die „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“ vor. Der Pflegeaufwand ist außergewöhnlich hoch und der Pflegebedürftige ist auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen. Mit dem Pflegegrad 5 verbunden sind 245 – 279 Minuten tägliche Grundpflege.

Wie errechnen sich die Pflegegrade?

Die Zuordnung zu den Pflegegraden errechnet sich aus durch ein Punktesystem, das auf sechs Kategorien basiert.

1. Mobilität (Beweglichkeit)
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Verstehen und Artikulieren)
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung (z.B. Essen, Einkaufen)
5. Bewältigung von uns selbstständiger Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen oder Belastungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

In jedem Bereich werden für Unterkategorien Punkte vergeben, je deutlicher die Fähigkeiten des zu Beurteilenden eingeschränkt sind. Zuletzt werden die verschiedenen Bereiche nach ihrer Bedeutung für den Alltag gewichtet. Eine Ausnahme sind die Bereiche 2 und 3. Hier fließt nur der höher bewertete – also der, in dem die meisten Schwierigkeiten auftreten – in die Beurteilung ein.

Pflegegrade nach Punktzahl

Mit dem neuen Prüfverfahren NBA („Neues Begutachtungsassessment“) überprüfen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder anderer Prüforganisationen seit Januar 2017 alle neuen Antragsteller auf Pflegeleistungen persönlich anhand eines Fragenkatalogs auf den Grad ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit. Entsprechend des Gutachtens entscheidet die zuständige Pflegekasse, ob sie ihrem Versicherten einen Pflegegrad zubilligt oder seinen Antrag ablehnt.

Wie selbstständig ein Antragsteller noch ist, ermitteln die Prüfer mit dem neuen Begutachtungsinstrument NBA nach einem Punktesystem. Dabei gilt: Je mehr Punkte der Begutachtete erhält, einen umso höheren Pflegegrad und umso mehr Pflege- und Betreuungsleistungen genehmigt seine Pflegekasse.

BisherPflegegrad
12,5 bis unter 27Pflegegrad 1
27 bis unter 47,5Pflegegrad 2
47,5 bis unter 70Pflegegrad 3
70 bis unter 90Pflegegrad 4
90 bis 100Pflegegrad 5

Wie erhalten Pflegebedürftige die neuen Pflegegrade?

Menschen, die 2017 erstmals den Antrag auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse stellen

Wer im Jahr 2017 erstmals einen Antrag auf Pflegegrad bei seiner Pflegekasse stellt, wird nach dem neuen Prüfverfahren NBA („Neues Begutachtungsassessment“) persönlich begutachtet. Dabei ermitteln Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder die MEDICPROOF GmbH bei privat Versicherten den Grad ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit und empfehlen ggf. einen Pflegegrad, in den der Versicherte eingestuft werden sollte. Letztlich entscheidet die Pflegekasse des Antragstellers über die Genehmigung eines Pflegegrades und der damit verbundenen Pflegeleistungen.

Menschen, die 2016 bereits eine anerkannte Pflegestufe haben

Wer im Jahr 2016 bereits eine anerkannte körperliche Pflegebedürftigkeit (Stufe 1, 2 oder 3) und eine anerkannte eingeschränkte Alltagskompetenz (sog. „Pflegestufe 0“) hatte, wird nicht erneut begutachtet. Entsprechend der folgenden Pflegegrade Tabelle wurden anerkannte Pflegestufen dann automatisch umgewandelt und der Pflegegrad bestimmt.

Leistungen der Pflegegrade

SachleistungPflegegeldEntlastungsbetrag
Nur Kostenerstattung
Pflegegrad 1--125 €
Pflegegrad 2689 €316 €125 €
Pflegegrad 31.298 €545 €125 €
Pflegegrad 41.612 €728 €125 €
Pflegegrad 51.995 €901 €125 €