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Im Schatten der Kinderlähmung – das Post-Polio-Syndrom

Im Schatten der Kinderlähmung – das Post-Polio-Syndrom

Vor 40-50 Jahren wütete die Kinderlähmung letztmalig in großen Epidemien in Europa und in den USA. Allein in Deutschland rechnet man damit, dass etwa 1,2 Millionen Menschen Kontakt mit dem Virus hatten. Bei den meisten Kindern verging und heilte die Krankheit scheinbar ohne weitere Schäden aus. Bis zu einem Prozent der Erkrankten entwickelte die typischen Lähmungssymptome. Bei vielen Gelähmten blieben dauerhafte Schäden zurück, andere erholen sich innerhalb eines Jahres scheinbar vollständig. Doch heute leiden Tausende an den Spätfolgen.

Tausende an Kinderlähmung Erkrankte konnten nur überleben, weil sie Wochen, Monate oder gar Jahre in der eisernen Lunge zubrachten. Etwa zwei Prozent der schwer erkrankten Kinder starben an der Kinderlähmung. Es gibt Bilder aus den 1950er Jahren: In großen Sälen stehen die Eisernen Lungen Reihe an Reihe. In jeder der Röhren liegt ein krankes Kind. Medizinisches Personal in weißer Berufskleidung steht zwischen den Beatmungsmaschinen. Was man nicht sieht, sind jene Tausende von Kindern, die nicht das Privileg dieser lebensrettenden Behandlung hatten.

Allein im Jahr 1952 gab es in Deutschland 9706 Erkrankungen und 776 Todesfälle. Die Behörden waren weitgehend hilflos. Im Interview mit Margit Glasow erklärte Hans-Joachim Wöbbeking vom Bundesverband Polio e. V. dazu:

„Es war zunächst nicht einfach, in Deutschland gemeinsam wirkungsvolle Maßnahmen gegen diese  schreckliche Krankheit und ihre Folgen zu finden. Die auf dem Gebiet der Kinderlähmung tätigen privaten Vereine und Verbände konnten bei aller Anerkennung ihres Engagements und ihrer Leistungen diese Aufgaben nicht erfüllen, genauso wenig wie die einzelnen Behörden der Länder in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen. So stand folgerichtig die Schaffung einer zentralen Organisation zur Bekämpfung der Kinderlähmung in der Bundesrepublik Deutschland auf der Tagesordnung.“ Mit der Gründung der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Kinderlähmung e. V. im August 1954 begann man schließlich, alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit zu koordinieren und zu intensivieren.

Kampf gegen Polio in Deutschland

Das erste Rundschreiben der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Kinderlähmung vom Juli 1955 war jedoch die Absage der bereits vorbereiteten ersten Polio-Impfung in der Bundesrepublik Deutschland.

Was war geschehen? „Wenige Wochen nach der stolzen Verkündung der erfolgreichen Ergebnisse eines Impfgroßversuches im Jahr 1955 traten in Amerika einzelne Polio-Fälle auf, die eindeutig im Zusammenhang mit der Impfung standen. In der Folgezeit wurden weitere, insgesamt 204 Fälle bekannt, die auf die Verwendung eines in den USA produzierten Totimpfstoffes gegen Polio zurückzuführen waren“, so Wöbbeking.

So kam es, dass im Jahr 1960 in der Bundesre­publik von den bis 4-jährigen Kindern lediglich 8 Prozent und von den 5- bis 14-jährigen Kindern lediglich 3 bis 4  Prozent mit dem Totimpfstoff geimpft wurden. Das Ergebnis war, dass hier im Jahr 1960 noch fast 60 Erkrankte auf 1 Million Einwohner kamen, während in Dänemark, Schweden und England – wo man nahezu flächendeckend impfte – nur 1 bis 5 Erkrankungen pro 1 Million Einwohner zu verzeichnen waren. Auch in der DDR hatte man schon früher mit einem verbesserten Totimpfstoff gearbeitet und entsprechende Erfolge erzielt.

Erfolg mit der Schluckimpfung

Der Durchbruch im Kampf gegen die Kinderlähmung gelang Albert Sabin 1960. Er verwendete abgeschwächte Viren für einen Lebendimpfstoff. Nach vielen internen Diskussionen wurde im Jahr 1961 schließlich der Beschluss gefasst, den neuen oralen Lebendimpfstoff des damals lizenzierten Typ I von Sabin (Schluckimpfstoff) in Westdeutschland einzusetzen.

Hans-Joachim Wöbbeking weiß, wem die Erfolge gegen Polio-Erkrankung in der Bundesrepublik zu verdanken sind: „Die Herren Dr. Hein und Dr. Studt müssen hier mit Dankbarkeit genannt werden, weil mit ihrem Entschluss bereits im Jahr 1962 mehreren Tausend Kindern und Jugendlichen das Schicksal der Poliomyelitis erspart worden ist. So wurden bereits im ersten Durchgang mehr als 22 Millionen Personen in einem Zeitraum von rund 14 Tagen geimpft.“Wöbbeking nennt die Schluckimpfung „eine bewundernswerte Leistung des staatlichen Gesundheitswesens, die es in dieser Größenordnung bis dahin nicht gegeben hatte“.

Im Westen Deutschlands ging die Krankheit von 1962 bis 1965 um 99 Prozent zurück. 1986 und 1990 fanden hier die letzten beiden Infektionen statt, 1992 wurden die letzten importierten Infektionen registriert. Durch die Schluckimpfung haben die Ärzte die Krankheit in Europa und den anderen Ländern der nördlichen Hemisphäre besiegt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO arbeitet daran, Polio weltweit auszurotten.

Noch gibt es Länder, in denen das Virus Opfer findet. In Nigeria, Tadschikistan, Indien, Kongo und Pakistan wurden in den letzten Jahren Ausbrüche mit zum Teil Hunderten von Erkrankten und Dutzenden von Toten gemeldet. Dennoch ist die Chance groß, dass die Krankheit schließlich endgültig besiegt wird, wie schon zuvor die Pocken.

Die Spätfolgen – das Postpoliosyndrom (PPS)

Auf bis zu 50.000 schätzen Experten die Zahl der Menschen, die 40 bis 50 Jahre nach einer Ersterkrankung an Polio plötzlich wieder mit der Krankheit konfrontiert werden können. Denn heute kehrt die Kinderlähmung in Form von Spätfolgen zurück – das Post-Polio-Syndrom. Die Gründe dafür liegen in der Art und Weise, wie das Poliovirus den Körper angreift.

Wirkung von Polio

Auslöser der Poliomyelitis ist das Poliovirus. Unter dem Elektronenmikroskop zeigt es sich ihn als eine kleine Kugel mit einem Durchmesser von 28 bis 30 Millionstel Millimeter (nm). 3D-Modelle zeigen das Virus als einen flockigen Ball. Seine Oberfläche besteht aus einem Mosaik von Eiweißmolekülen.

Aufgenommen wird der Erreger durch den Mund – etwa über unsaubere Lebensmittel. Er wandert unversehrt durch den Magen und beginnt, sich im Darm zu vermehren. Bei der Mehrzahl der Infizierten werden die Viren ausgeschieden, ohne dass es zu Symptomen kommt. Wenn es dem Erreger gelingt, in die Lymphe und in die Blutbahn zu gelangen (das ist bei etwa einem Prozent der Infizierten der Fall), siedelt er sich bevorzugt in jenen Nervenzellen an, die Bewegungsmuskulatur steuern.

Körpereigene Abwehrzellen beginnen den Kampf gegen die Eindringlinge. Es kommt zu Entzündungen. Es sind diese Entzündungen, die die Nervenzellen zerstören. Wenn mehr als 50 Prozent dieser Nervenzellen abgestorben sind, können die Muskeln nicht mehr bewegt werden. Das geschieht meist plötzlich – über Nacht treten Lähmungen auf.

In vielen Fällen heilt die Krankheit nach einem Jahr aus. Die Lähmungen gehen oft vollständig zurück. Die Betroffenen verspüren keine Beschwerden mehr und führen ein normales Leben.

Doch es bleiben Schäden zurück, die sich später bemerkbar machen. Denn die abgestorbenen Nervenzellen wachsen nicht nach. Stattdessen übernehmen intakt gebliebene Nervenzellen die Aufgaben ihrer toten Schwestern. Sie bilden neue Synapsen und versorgen die „verwaisten“ Muskelfasern. Durch diese zusätzliche Mehrarbeit leiden die Nervenzellen unter Dauerstress. Sie versterben früh. Lähmungen und Schmerzen kehren zurück. Die Betroffenen klagen über diffuse Beschwerden. Ärzte tun sich oft schwer, die Symptome einzuordnen. Oft dauert es lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird. hs und mg

Adressen Polio

Selbsthilfeorganisationen

Bundesverband Polio e. V.
Beratungs- u. Geschäftstelle
Freiberger Str. 33
09488 Thermalbad Wiesenbad
Telefon 037 33 / 5 04 11 87, Fax 5 04 11 88
www.polio.sh

Polio Allianz e. V.
c/o Edeltraud Hendrich
Thaerstr. 27, 35392 Giessen
Telefon 06 41 / 2 34 33, Fax 20 19 84
www.polio-allianz.de

Polio Initiative Europa e. V.
c/o Dieter Schlegel
Lindenweg 8, 92507 Nabburg
Telefon und Fax  0 94 33 – 407
www.polio-initiative-europa.de

Medizinische Hilfe
Katholisches Klinikum Koblenz – Polio Schwerpunkt Ambulanz
Kardinal-Krementz-Str. 1-5
56073 Koblenz
Telefon 02 61 / 4 96 65 26 oder / 1 70 35
www.kk-koblenz.de

Medizinische HochschuleHannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover
Neurologische Poliklinik
PPS- Spezialsprechstunde
Prof. Dr. med. R. Dengler
Telefon 05 11 / 5 32 31 22 (n. Vereinb.)
www.mh-hannover.de

Dr. med. Hans-Georg Tacke
Frankfurter Str. 71
35625 Hüttenberg-Rechtenbach
Telefon: 0 64 41 / 9 77 97 11 oder -12

Buchtipps Polio

Ulrike Halbe-Bauer,  Margarete Steiff:
„Ich gebe, was ich kann“
Margarete Steiff ist noch keine zwei Jahre alt, da erkrankt sie an Kinderlähmung. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist diese Krankheit kaum erforscht  und die Lähmung bleibt. Doch die junge Frau lässt sich von der Behinderung nicht unterkriegen. Mit Gottvertrauen, Begabung und einem unbändig starken Willen gründet sie ein Unternehmen, das seit über 125 Jahren die weltberühmten Steiff-Tiere produziert.
Gebundene Ausgabe, 176 Seiten
Verlag: Brunnen-Verlag, Gießen
ISBN: 3765519650
Preis: 12,95 Euro

Dergin Tokmak:
Stix: Mein Weg zum Tänzer auf Krücken
Dergin Tokmak, Sohn türkischer Einwanderer, ist an beiden Beinen durch Kinderlähmung gehandicapt. Mit Ausdauer, Ehrgeiz und einem starken Willen schafft es Dergin Tokmak als erster Deutscher im erlauchten Kreis der Akrobaten des weltberühmten Cirque du Soleil aufgenommen zu werden. Ein bewegendes Beispiel für mentale Stärke, körperliche Kraft und den Glauben an sich selbst.
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
Verlag: Irisiana, ISBN: 3424151254
Preis: 19,99 Euro


Info-Pflege.de – das Portal rund um das Thema Leben und Pflege

Info-Pflege.de – das Portal rund um das Thema Leben und Pflege

Als pflegender Angehöriger erlebte Wolfgang Krüger wie schwierig es ist, geeignete Informationen zum Thema Pflege zu finden. Statt nur frustriert zu schimpfen, entwickelte der Dortmunder ein eigenes Portal. Im folgenden Artikel stellt er sein Projekt vor.

2007 kam ich in die Situation einen Pflegedienst zu suchen, um einem nahen Verwandten eine professionelle Betreuung zu gewährleisten. Als pflegender Angehöriger kommt man schnell an seine Grenzen. Die Suche im Telefonbuch und im Internet war schon ziemlich mühsam. Das Angebot in der Großstadt war breit gefächert, entsprach aber nicht meinen Erwartungen. Aus diesen Erfahrungen entstand die Idee, eine Seite ins Netz zu stellen, die bundesweit alle Angebote der ambulanten und stationären Pflege nach Städten und Kategorien auflistet. 2008 ging das Portal www.info-pflege.de ans Netz.

Besucher meiner Seite sollten, wenn sie z. B. einen Hausnotruf oder einen Menüdienst suchen, diesen auch explizit in ihrer unmittelbaren Umgebung finden. Begriffe und Erklärungen rund um die Pflege werden selbstverständlich auch angeboten. Kooperationspartner  von „Info-Pflege“.de bieten die Möglichkeit einen Treppenlift zu günstigen Konditionen zu erwerben, oder Versicherungen rund um die Pflege zu vergleichen. Ein Pflegegeldrechner ist ebenso vorhanden wie eine Suchfunktion für Pflegeeinrichtungen.

Mittlerweile sind auf dem Portal „Info-Pflege“ 25.000 Anbieter bundesweit eingetragen. Die Einträge werden kontinuierlich aktualisiert.

Das Angebot von „Info-Pflege“ ist in seiner Art einzigartig und für die Nutzer vollkommen kostenlos. Die vielen positiven Rückmeldungen der Pflegeeinrichtungen bestärken mich immer wieder, diese Seite weiter auszubauen, um möglichst alle Einrichtungen zu erfassen.

Der Autor Wolfgang Krüger ist Initiator der Plattform www.info-pflege.de und Betreiber des Blogs www.pflege-blog.eu


24 Stunden Betreuung im eigenen Zuahause mit deutschen Pflegekräften

Vier zentrale Botschaften für Menschen mit beginnender Demenz

Vier zentrale Botschaften für Menschen mit beginnender Demenz

Angehörige merken es als erste, wenn bei einem Familienmitglied eine demenzielle Veränderung eintritt. Für Betroffene in dieser Frühphase gibt es zu Zeit noch sehr wenige Beratungs oder Hilfsangebote. Doch es gibt erste Ansätze. Im Interview spricht Sylvia Kern, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg über Angebote für Frühbetroffene. Die Fragen stellte Harald Spies

Frau Kern, was ist der neue Ansatz im Umgang mit Demenzkranken, der in Ihrer neuen Broschüre zu erkennen ist?
Uns ist es ein Anliegen, Menschen mit beginnender Demenz mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit zu bringen. Man muss ihre Autonomie, Lebensqualität und Würde stärken. Sie brauchen Wertschätzung und ihren Platz in der Gesellschaft.
Im Vorfeld der Erstellung unseres neuen Faltblattes haben wir ganz intensiv mit Betroffenen zusammengearbeitet. Wir besprachen mit ihnen die Inhalte um zu sehen, ob sie sich hier auch wiederfinden. Das neue Leporello – ein Faltblatt in Ziehharmonikaform – ist also keine reine Erfindung von Fachleuten, sondern von Betroffenen mitentwickelt. So entstanden die vier zentralen Botschaften des Ansatzes: 1. „Ich bin immer noch ich“, 2. „Ich gehöre dazu“, 3. „Vieles macht mir Freude“ und 4. „Ich brauche Wegbegleiter“.
Es gibt viel mehr Betroffene im Frühstadium als hochgradig demente Menschen im Spätstadium. Natürlich ist es wichtig, Betroffenen in allen Stadien zu helfen und sie zu unterstützen – dafür ist die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg da.

Gibt es auch spezielle Angebote für Menschen im frühen Stadium der Demenz?
Solche Angebote sind im Entstehen. Es gibt inzwischen vereinzelte Gruppenangebote. Dabei gibt es keine Gruppenleitung, sondern eine Begleitung und Moderation. Die Gruppenteilnehmer bestimmen Themen und Inhalte selbst.
Inzwischen haben wir auch Informationen für Menschen mit Demenz auf unserer Homepage. Es gibt eine zunehmende Gruppe von Menschen, die wissen, dass sie sich im Frühstadium einer Demenz befinden. Sie informieren sich über das Internet. Wir wollen weg von dem Bild, dass man nur die Angehörigen, Ehrenamtlichen und Profis informieren muss. Der Ansatz ist inzwischen: Die Früh-Betroffenen sind mündige Menschen, die ein Recht darauf haben, so weit und so lange wie möglich selbst zu planen und sich selbst zu informieren.
Wir sind dabei, Materialien unter der Überschrift „Ich lebe mit einer Demenz“ zu entwickeln. Darin wollen wir Teilbereiche aufgreifen, die für Menschen im Anfangsstadium einer Demenz ganz wichtig sind. Das sind Fragen wie: Kann ich noch Auto fahren? Wie kann ich vorsorgen?
Wir haben auch eine neue Broschüre zu rechtlichen Vorsorgeregelungen für die Betroffenen in leichter Sprache herausgegeben. Insgesamt haben wir hier noch ein „weites Feld“ vor uns. Wir befinden uns aber auf einem guten Weg!

Kontakt:
Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.
Friedrichstr. 10, 70174 Stuttgart
Tel. 07 11 / 24 84 96-60, Fax 24 84 96-66
E-Mail: info@alzheimer-bw.de
Internet: www.alzheimer-bw.de


Der Wunsch vom zu Hause alt werden

Der Wunsch vom zu Hause alt werden

In Deutschland gibt es über 2,5 Millionen Pflegebedürftige. Die wenigsten von ihnen werden jedoch im Pflegeheim betreut. Stattdessen versorgen sie Angehörige oder ein ambulanter Pflegedienst zu Hause. Das entspricht auch dem Wunsch vieler Menschen. Sie möchten so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben und dort alt werden.

Pflege zu Hause oder Pflege im Heim?

Dem Statistischen Bundesamt zufolge werden 70 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause betreut. Die Pflegepersonen sind dabei meist die Angehörigen. Nur bei rund einem Drittel der zu Hause auf Pflege angewiesenen Menschen übernimmt ein ambulanter Pflegedienst teilweise oder komplett die Versorgung der Betroffenen. Der Vorteil der Pflege in den eigenen vier Händen liegt auf der Hand: Pflegebedürftige müssen sich an keine neue Umgebung gewöhnen und verbleiben in ihrem bisherigen sozialen Umfeld. Wird die Pflege durch einen Pflegedienst unterstützt, müssen sich die Senioren in der Regel nur an ein neues Gesicht gewöhnen. Auch eine 24-Stundenpflege zu Hause ist möglich. Sie wird von speziellen 24-Stunden-Deisnten angeboten.

Bei der stationären Pflege – also der Pflege im Pflegeheim – erfolgt die Betreuung ebenfalls rund um die Uhr. Jedoch leiden Altersheime mehr und mehr unter dem Fachkräftemangel. Aufgrund der ansteigenden Zahl von Pflegebedürftigen – bis 2050 sollen es 4,5 Millionen Personen sein – wird auch immer mehr Pflegepersonal benötigt. Jedoch entscheiden sich immer weniger Menschen, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Das liegt vor allem an der schlechten Bezahlung. Aber auch Zeitdruck und hohe Belastungen führen dazu, dass viele Pfleger frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden. Diese Entwicklung schadet am Ende den Pflegebedürftigen, wenn ihre Betreuung auf das Nötigste reduziert wird.

Barrierefreies Wohnen

Während ein Pflegeheim auf die Bedürfnisse seiner Bewohner sehr gut eingestellt ist, müssen Angehörige mitunter die Wohnung oder das Haus für die Pflege in den eigenen Wänden erst herrichten. Das betrifft insbesondere die Barrierefreiheit. Wohnt der Pflegebedürftige nicht im Erdgeschoss, muss etwa ein Treppenlift eingebaut werden, damit die Mobilität nicht zu sehr eingeschränkt wird. Aber auch in der Wohnung muss gegebenenfalls einiges umgebaut werden. So müssen beispielsweise Bad und WC auch mit Rollstuhl bzw. Rollator zugänglich sein. Alle Türschwellen sollten zudem verschwinden, denn selbst ein kleiner Absatz kann für gehbehinderte Personen zur großen Stolperfalle werden. In einigen Fällen unterstützt die gesetzliche Pflegeversicherung Umbaumaßnahmen. Pflegende und Gepflegte sollten sich daher nach den Leistungen erkundigen.

Vorbereitende Kurse besuchen

Wer seiner Mutter, seinem Vater oder einer anderen Personen den Wunsch vom zu Hause alt werden erfüllen will, der kann sich vorbereiten. Wie das Bundesgesundheitsministerium informiert, helfen Pflegeberater in Pflegestützpunkten zu allen Fragen zur Pflegebedürftigkeit weiter. Es besteht zudem die Möglichkeit, an Schulungen teilzunehmen, etwa von der Krankenkasse, Sozialstationen oder Wohlfahrtsverbänden. Dort lernen Angehörige auch andere Betroffene kennen, mit denen sie sich über ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig Tipps für die Pflege zu Hause geben können.

Quelle: Infobroschüre „Wenn Pflegen krank macht“


Schatz der Erinnerung

Schatz der Erinnerung

Der Fotograf Tom Hussey aus Dallas in Texas zeigt auf seiner Homepage beeindruckende Bilder. Der Name des Projekts ist „Reflections“, was sowohl Spiegelungen als auch Nachdenken bedeuten kann. Zu sehen sind Portraits von (meist älteren) Menschen vor dem Spiegel.

Das jeweilige Spiegelbild ist aber ein Selbst aus der Vergangenheit. Dem weißhaarigen Herrn im ärmellosen Unterhemd schaut ein uniformierter Feuerwehrmann in den besten Männerjahren entgegen. Vor der Fensterscheibe einer Neugeborenenstation steht eine ältere Dame: sie trägt einen Teddybären. Ihr Spiegelbild zeigt sie als junge Mutter, im Arm hält sie ihren neugeborenen Sohn. Dieser, nun erwachsen, steht neben ihr. Sie lächelt.

Das Projekt „Reflections“ von Tom Hussey ist eine Liebeserklärung an das Alter und weist darauf hin, dass Gefühle und Erinnerungen nicht altern. Es ist auch ein Anlass darüber nachzudenken, was wir sind, wie wir uns sehen und wie wir gesehen werden. Erinnerung ist ein Schatz und die Frage kommt in den Sinn, was wären wir ohne unsere Erinnerungen. Die Bilder von Tom Hussey laden zu Interpretationen ein. Genau wie die dargestellten Personen kann jeder Betrachter etwas anderes darin finden.

Zum Projekt „Reflections“ geht es hier: http://www.tomhussey.com/PROJECTS/REFLECTIONS/thumbs


Demenz bei Angehörigen / kostenloser Leitfaden

Demenz bei Angehörigen / kostenloser Leitfaden

Mit welchen Methoden und Lösungen das Zusammenleben mit Demenzerkrankten für Angehörige am besten gelingt, wissen Experten von Pflegeeinrichtungen mit einem hohen Anteil an Bewohnern mit Demenz am besten. Dieses Wissen geben sie nun in Form eines Leitfadens weiter. Mit etwa 1,5 Millionen Betroffenen allein in Deutschland und jährlich 300.000 Neuerkrankten hat Demenz eine große gesellschaftliche Bedeutung. Der „Leitfaden für Angehörige von Menschen mit Demenz in der häuslichen Umgebung“ gibt viele praktische Tipps für das Zusammenleben. Die Tipps stehen allen Interessierten kostenfrei zur Verfügung. Herausgeber ist die Deutsche Seniorenstift Gesellschaft (DSG), die bundesweit 19 Pflegeeinrichtungen mit integrierten Bereichen für Menschen mit Demenz und einen ambulanten Pflegedienst betreibt.

Die Demenz eines Familienmitglieds ist eine enorme Herausforderung für die Angehörigen, da sie den Wesenskern der Person verändert. In der Folge kommt es zu herausfordernden Verhaltensweisen, von denen das unerwünschte Verlassen der Wohnung nur eine der bekannteren ist. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich aus der Veränderung der sprachlichen Kompetenz bei dem Betroffenen, dem Angehörige mit kommunikativen Strategien angemessen begegnen können.

Der Leitfaden erläutert die Verhaltensweisen, trägt zum besseren Verständnis bei und zeigt, wie Angehörige mit der jeweiligen Situation besser umgehen können. Hilfestellungen für den sprachlichen und nicht-sprachlichen Austausch bieten Unterstützung beim menschlichen Zugang. Weitere Kapitel widmen sich etwa der demenzgerechten Wohnraumgestaltung sowie der Frage, was bei Versicherungen zu beachten ist. Nicht zuletzt geht es aber auch um Belastungsgrenzen für betreuende Angehörige und deren Unterstützungsmöglichkeiten.

Kostenloser Leitfaden-Download: http://www.deutsche-seniorenstift.de/demenzleitfaden.php


24 Stunden Pflege und Betreuung mit Pflegekräften aus Deutschland. Die Alternative zum Pflegeheim

Pflege im Alter

Pflege im Alter

Die meisten Senioren möchten ihren Lebensabend in vertrauter Umgebung verbringen, auch dann, wenn sie pflegebedürftig werden. Das Pflegeheim ist zwar eine nützliche Einrichtung, doch gibt es alternative Wohnkonzepte, die trotz Pflegebedürftigkeit ein hohes Maß an Lebensqualität bieten. Solche Wohnkonzepte können Mehrgenerationenhäuser, betreute Wohnanlagen, aber auch Wohn- oder Hausgemeinschaften sein.

Schneller als gedacht können Menschen durch einen Unfall oder eine schwerwiegende Erkrankung Pflege benötigen, die nicht immer von den Angehörigen geleistet werden kann. Stationäre oder ambulante Pflege muss organisiert werden, abhängig vom Grad der Pflegebedürftigkeit. Reicht ambulante Pflege aus und können die Angehörigen die Pflege nicht bewältigen, kann ein Pflegedienst beauftragt werden. Benötigen die Betroffenen dauerhafte Pflege, muss die Pflegestufe festgestellt und die erforderliche Pflege organisiert werden. Wird vorübergehend oder dauerhaft stationäre Pflege benötigt, stehen Alten- oder Pflegeheime sowie Einrichtungen für betreutes Wohnen zur Auswahl. Auch eine teilstationäre Betreuung ist möglich; tagsüber sind die Pflegebedürftigen in der Pflegeeinrichtung untergebracht, während sie am Abend in ihre vertraute Umgebung zurückkehren. Ist die Pflege nur über einen kurzfristigen Zeitraum erforderlich, kann die Kurzzeitpflege genutzt werden; pro Jahr ist das über einen Zeitraum von vier Wochen möglich.

Eine Alternative zur Pflege durch professionelles Pflegepersonal ist die Laienpflege, bei der es sich um häusliche Pflege durch Angehörige oder Freunde handelt. Diese Pflegepersonen müssen große Herausforderungen meistern, sie haben daher Anspruch auf Pflegegeld, das entsprechend der Pflegestufe gezahlt wird. Selbstverständlich haben die Pflegekräfte Anspruch auf Urlaub, auch vor Krankheit sind sie nicht gefeit. Für diese Fälle werden von der Pflegeversicherung die Kosten für eine Ersatzpflegekraft übernommen.

Die Pflege durch Angehörige kann mit der ambulanten Pflege durch einen Pflegedienst kombiniert werden, die Pflegekasse übernimmt die Kosten für Pflegesachleistungen, die abhängig von der Pflegestufe berechnet werden.

Senioren, die keine Möglichkeit haben, im eigenen Heim wohnen zu bleiben und dort gepflegt zu werden, können sich für Seniorenheime oder Seniorenresidenzen entscheiden. Pflegebedürftige erhalten dort eine umfassende Pflege und werden rund um die Uhr betreut, während diejenigen, die noch sehr aktiv sind, weitgehend selbstständig leben. Es kommt darauf an, dass sich die Senioren dort wohlfühlen, daher sollte zuvor ein Besichtigungstermin vereinbart werden.

Für das Wohnen der Senioren gibt es unterschiedliche Konzepte. Wer ein eigenes Haus und die erforderlichen finanziellen Mittel hat, kann den seniorengerechten, barrierefreien Umbau veranlassen.

Umfangreiche Informationen über Pflege und Wohnen im Alter bietet der Ratgeber „Wohnen und Leben im Alter“.